Zum Inhalt springen
Startseite » Neuigkeiten » Der langgezogene Karnaval

Der langgezogene Karnaval

Der Karnaval hier zieht sich weit über den Aschermittwoch für alle Feier- und Verkleidungswütigen hinaus bis auch das letzte Municipio, Yaiza, es dieses Jahr Mitte März feiernd begeht. Und um ehrlich zu sein bin ich keine so besonders grosse Freundin des laut-bunten Karnavals, doch mag ich die traditionellen, kleinen Umzüge und ganz besonders zwei alte lanzarotenische Karnavals-Vereinigungen, die ich hier vorstellen möchte. 

Zum Einen ist das die Seemannstruppe, „La Parranda Marinera del Buche” oder auch kurz gesagt: „Los Buches“. Sie geht auf die Seeleute der Region um Arrecife herum im 18. und 19. Jahrhundert zurück und steht für die Mischung aus dem Leben der Seeleute und der Bauern. Die Buches tragen die typische Kleidung der damaligen Zeit, allerdings in einer „karnevalistischen” Variante mit bunten Bändern, Stickereien und Pailetten auf den Stoffen. Auch tragen sie Lächelnd- freundliche Masken.

Mit Timples und starken Stimmen kommen im Tanzschritt die Buches daher. Besonders aber zeichnen sie sich durch einen Leder-Luftballon aus, der mich an die Schweinsblasen der Fastnets-Hexen erinnert. Und der auch ähnlich eingesetzt wird- nämlich um die umstehenden Zuschauer zu necken. Bei den Ballons hier, „buches“ genannt und damit namensgebend für diesen Karnevalsverein, handelt es sich aber um etwas, das aus dem Meer kommt: Nämlich dem Magen einer Haiart, die in Küstennähe der Kanaren lebt. Zur Herstellung wird die Aussenhaut gegerbt, in Salzlake getrocknet und schliesslich aufgeblasen. 

Die Tradition der Buches wurde während der Franco-Diktatur (1936) verboten und erst 1963 von Seeleuten wieder aufgenommen. 

Eine noch ältere Tradition haben „Los Diabletes de Teguise“.

Seit mehr als 600 Jahren kleiden sich die Einwohner von Teguise in Weiß, Rot und Schwarz, tragen ihre dämonenhaften Ziegen-Masken mit herausgestreckter Zunge und ziehen zum Rhythmus an ihnen hängender, runder Glocken durch die Straßen der Stadt, wobei sie Tänze aufführen und Szenen nachspielen. Bis dies im 18. Jahrhundert verboten wurde und sich die Diabletes erneut auf den Karneval zurück ziehen mussten, waren sie über 100 Jahre lang, trotz ihres heidnischen Ursprungs, Teil der Fronleichnamsfeierlichkeiten und repräsentierten das Böse. 

In ihrer Tradition finden sich Elemente wieder, die wohl mit den Ureinwohnern der Insel, den Mahos, den Europäern, und Siedlern aus Afrika im Zusammenhang stehen. Die sie zu ethnografischen Wegweisern machen. Die Tänze, Sprünge und Läufe der Diabletes, so heisst es in einem lanzarotenischem Artikel „können uns zu den Fruchtbarkeits- und Agrarriten oder zum Kampf zwischen Gut und Böse unserer Vorfahren führen“. 

In einem Dokument der Inselregierung vom 2. Juli 1658 wird vermerkt, dass zu den Ausgaben für das Fronleichnamsfest Schießpulver, Schuhe für die Tänzer, deren Verpflegung, Zweige, die Reinigung der Straßen, Pfund weißes Wachs oder auch die Caratula oder der Stoff, der für das Kleid des Diablete gekauft wurde, gehörten.

Mikaela