Vor meinem Bürofenster an den Palmen ist viel los: Spatzen stopfen die hungrigen Mäuler ihrer Jungen, fliegen umher. Oben an der Krone der Palme sind fleissige Papageien am Bauen ihrer Nester. Es wuselt in beschäftigter Atmosphäre. Ich sitze am Laptop und staune über diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch. Während ich mich jeden Morgen nach dem Schlaf versuche bewusst aufzurichten, den Tag begrüsse und mich einstimme auf das was kommen mag, geht das beim Spatzen alles wie selbstverständlich. Wie oft scheitere ich und bin eben nicht bereit zu „opferfreudiger Tat“? Das Tier muss sich selbst scheinbar nicht aktivieren. Es geht einer in ihm tief verwurzelten Pflicht nach, in dessen Ausführung er perfekt ist. Der Mensch ist vielbegabt und muss sich Perfektion willentlich schwerst erarbeiten. Dafür darf ich, Mensch, mir meiner inneren, wohl auch ganz individuellen Pflichten bewusst werden und in Freiheit handeln. Dies bedeutet, meinem Verständnis nach, eine Absicht, ein gedanklich durchdrungenes Motiv für mein Tun zu haben und dem Wesen der Dinge nach zu handeln. So können Spatzen ihre Küken füttern, machen es richtig, doch betreten dabei keinen Bewusstseinsraum. Freiheit ist eben anspruchsvoll und wir als Menschen können ja erstmal nur um sie ringen und üben.
Ein Militärhubschrauber zerreisst den Himmel. Überdeckt das Gezwitscher.
Wer auch immer behauptet Krieg sei „gerecht“ fertigt: Selbst wenn die Motive einer Kriegspartei verstandesmässig erfasst werden könnten, so liegt Krieg per se, dem Wesen der Menschen nach betrachtet, so fern, als dass ihm jede Legitimation immer wird fehlen müssen. Hier sind eher Kräfte am Werk, die die Freiheit im Menschen nicht mögen und denen der nicht wache Mensch schnell ausgeliefert sein kann. Das Tier nicht. Es bietet diesen Kräften keinen Punkt anzudocken. So wird dem Tier nur äusseres Leid zugefügt, wenn diese Kräfte das menschliche Tun unfrei werden lassen. Ungutes zulassen. In Massentierhaltung, im Kriegsgeschehen, in der Vermüllung unserer Ozeane… Und das Tier, anders als der Mensch, wächst nicht am Leid, es entwickelt sich daraus nicht ein Stück weiter.
Gedanken an einem Morgen, am Fenster und im Wunsch als Menscheit immer ein Stückchen wacher und friedvoller zu werden.