Zwischenräume sind Räume, die noch, unergriffen und undefiniert, dem Betretenden Eintritt gewähren. Es sind Räume, die dienen, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen – einem ein Innehalten gebieten. Ein Windfang könnte ein solcher Zwischenraum sein oder auch ein Gang, der nicht als eigener Raum bezeichnet, doch einer ist, von dem aus verschiedene Wege genommen werden können, durch eine weitere Tür ins Schlafgemach oder auch in die gute Stube.
Im architektonischen finden wir Zwischenräume auch wenn es um Isolierung geht, wenn ein Luftraum das Innen- und Aussen so auseinanderhält, als dass das Innenklima verbessert wird und Geräusche gedämpft werden können. Bei näherer Überlegung scheinen diese physischen Zwischenräume nicht unbedingt unverzichtbar zu sein, doch sind sie notwendig.
Und wie verhält es sich mit uns? Wir als Menschen stehen ja gewissermassen bereits in einem Dazwischen, in einem Unstatischen zwischen Himmel und Erde. In uns geraten wir in seelische Zwischenräumen in Momenten von Übergängen. Wenn wir spüren, dass etwas Neues ansteht, anbrechen will und wir ein wenig aus dem Lot kommen; wie beim Anrühren von Präparaten, wenn die aktuelle Fliessbewegung durch ein Umkehren der Rührrichtung ausgebremst wird und erst durch ein aufgemischtes Chaos muss, bis es sich zu einem neuen Strudel bildet. Bis – irgendwann – die entgegengesetzte Richtung sichtbar wird.
Was passiert da, übertragen auf den Menschen, wenn so ein Veränderungsimpuls ihn durchfährt und Entscheidungen fallen? Was ist das überhaupt für eine Instanz, die da, wie ein michaelisches Schwert durch den Menschen hindurch wirkt?
„In dieser Richtung geht es nicht weiter!“ Die Stimme dieser Richtungsänderung in uns ist meistens stark und klar. Es folgt eine Umsetzung, eine Tat und bis sich die eigene Leiblichkeit umstellt, braucht es Zeit; eine Folge-Zeit, vielleicht sogar der Aufgewühltheit und des Zweifels. Zeit des Verdauens. Ein seelischer Zwischenraum eben, der im Erleben eben noch nicht in Gänze als Neuausrichtung erfahren wird.
Soviel könnten wir festhalten: Zwischenräume zu betreten und (aus)halten zu können, ist eine Kunst, die erfordert, in dieser Dynamik möglichst innerlich Ruhe wahren zu können – vielleicht ist es in diesem Raum schummrig und ungemütlich – und sich dennoch ohne Eile geleiten zu lassen an jene neuen Ufer, die in der Ferne in Gewissheit daliegen, aber noch nicht sichtbar sind.
Wach zu bleiben und mutig Wagnisse einzugehen. Im vertrauensvollen Lauschen und der Hingabe auf diese Instanz in uns, kann uns zeigen wie weise sie ist. Und wir als Menschen können dabei immer nur gewinnen.

